Solarstrom wird alltäglich
Neue Geschäftsmodelle rechnen sich auch ohne Einspeiseförderung
Der Modulpreisindex zeigt nach einem kurzen Hoffnungsschimmer für die Modulhersteller wieder nach unten, die Spitzenstrompreise sind im Keller und Pumpspeicherbetreiber stellen daher ihre Geschäftsmodelle um.
Derweil die Einspeisepreise in Deutschland inzwischen bei 19.5 cents/kWh liegen (und monatlich weiter abgesenkt werden) und in Italien Anlagen über 12kW ab Mitte Jahr kaum mehr gefördert werden tauchen laufend weitere neue Geschäftsmodelle auf.
- Die höheren Strompreise in weiten Teilen Deutschland steigen über die Eigenproduktionspreise von Solarstrom und Hausbesitzer investieren vermehrt in eigene Anlagen, weil Sie weniger teuren Strom einkaufen wollen
- Solarstrom aus grösseren Parks kann derweil in Spanien und Italien schon zu Grid Paritätspreisen produziert werden, d.h. Investitionen sind auch hier gar nicht mehr von der Einspeisevergütung abhängig.
Somit betritt die Nutzung von Solarstrom den Alltag, bald ganz ohne Förderbeiträge.
Pierre Strub, 07.05.12
Das Haus als Kraftwerk
Technik, Anwendung und Komfortlösungen an der Light and Building in Frankfurt
"Die Produkte sind absolut installations- und markttauglich, es geht nun darum diese zu planen und im Haus anzuwenden und umzusetzen" sagt Messeleiterin Maria Hasselman.
Die autarke und nachhaltige Nutzung von Energie rückt immer mehr in den Mittelpunkt der modernen Welt. Leitthema der LightBuilding 2012 ist die Energieeffizienz. Schwerpunkte sind die Digitalisierung von Licht und Gebäude und das Gebäude als grünes Kraftwerk.
Neuste Entwicklungen zu Produkten und Messebesuchen bald in diesem Blog.
Pierre Strub, 07.05.12
Saubere Energien
Welches Land gewinnt das Rennen?
Der neueste Bericht Who is Winning the Clean Energy Race? der Pew Environment Group zeigt ein klares Bild. Beim Wachstum 2011 im Sektor Solar hat Italien die Nase vorn: Das Land hat allein 2011 8 GW neu installiert und inzwischen mit über 12GW weltweit die 2. höchste Leistung nach Deutschland (24GW). Dies entspricht der Leistung von 12 AKW des Typs Gösgen und einer jährlichen Stromproduktion von ca. 2 solcher AKW. China führt bei der Windenergie mit einer mittlerweile installierten Leistung von knapp 64GW, allein 2011 einem Zubau von 20 GW.
Eine interaktive Version der Karte mit allen Daten findet sich hier: link
Der Bericht zeigt auch, dass Länder, die in diesem zunehmend umkämpften Sektor im Vorteil sind, welche mit eindeutigen, konsistenten und konstruktiven Richtlinien die Investitionen nach vorne bringen.
Leider haben die vielen unstrukturierten Diskussionen, partiellen Informationen zu Gesetzesänderungen und radikalen Sparbemühungen in Ländern wie Deutschland aber auch Italien 2012 hier momentan einen ungünstigen Einfluss, der aber die Wachstumsraten nur teilweise beeinträchtigt.
Denn der wesentliche Treiber für Solarstrom ist die Tatsache, dass bereits südlich von Rom oder Madrid heute Anlagen geplant werden, welche noch 2012 Strom zu Preisen unter 10 Cents/kWh produzieren sollen. Damit geht Strom aus Photovoltaik in direkte Konkurrenz zu Strom aus Wind sowie Gas oder Kohle.
Pierre Strub, 15.04.12
Strompreise am Mittag:
Weiterer Niederigpreisrekord: Am 1. April kostete 1 kWh = 0.008 Cent
Was die Verbraucher freut ist für die Produzenten fatal. Wer am Sonntag den 1. April 2012 um 16 Uhr Strom an der Börse kaufte konnte eine praktisch kostenlose Stromlieferung bekommen.
Das ganze ist kein Aprilscherz sondern eine Folge der Solar- und Windstromeinspeisung. Dieser Effekt wird sich in Zukunft häufiger zeigen als der altbekannte Preispeak am Mittag. Die Zeiten hoher Strompreise sind wohl gezählt und die neue Regel lautet: Mittags ist der Strom billiger als nachts.
Pierre Strub, 15.04.12
Strompreise am Mittag
Neuer Rekord: Mittagsstrompreis sinkt unter Nachtpreis, Solareinspeisung auf Höchstniveau
Das Solarmagazin Photon meldet, dass diese Woche der Börsenstrompreis nach hohen Prognosen für die Solarstromeinspeisung zeitweise unter dem Nachtniveau gelegen hat. So fiel der Preis am 7. März in der Mittagsstunde auf 3,536 Cent pro Kilowattstunde. Noch vor wenigen Jahren war dies undenkbar, da die Preise zur Mittagszeit wegen der hohen Nachfrage jeweils Spitzenwerte erreichten.
Für diesen Tag hatte die Prognose über die Solarstromeinspeisung zur Mittagszeit bei knapp über 14 Gigawatt gelegen. Infolge dessen sank die Nachfrage nach konventionellem Strom im Day-Ahead-Handel für die Region Deutschland und Österreich drastisch.
Aufgrund des Preisdrucks der Photovoltaik gingen den konventionellen Strom-produzenten nach Berechnungen von Photon alleine an diesem Tag über 7,5 Millionen Euro an Erträgen verloren.
In der Schweiz lag der Strompreis für die Lieferung zur Mittagezeit von 12 bis 13 Uhr bei 65,14 Euro.
Pierre Strub, 15.04.12
Elektroauto 2012:
Steampunk Design als Werbemittel
Wer sich den Renault-Spot für die neuen Elektroautos anschaut ist sicherlich froh, dass Technologien wie die Dampfmaschine oder der Verbrennungsmotor sich heute nicht im Haarföhn, Computer oder Rasierapparat oder womöglich in Kinderspielsachen finden:
Und doch hat Retrodesign etwas Beruhigendes. Weil Technik allein noch nie gereicht hat um Emotionen und Wohlfühlen zu erzeugen. Die Web-Radios wie in den 50ern oder Röhrenverstärker mit iPod Docking Station ähneln den Designs aus unserer Kindheit und schaffen Vertrauen und Anfassqualität. Auch Filme wie 20000 Meilen unter dem Meer oder Sky Captain and the world of tomorrow lassen Retro und Steampunk so richtig zur Geltung kommen.
Nicht zuletzt ist ja auch das Elektroauto eine Art Retroutopie. Immerhin ist es 131 Jahre her seit Gustave Trouvé auf der „exposition de l’électricité“ in Paris das wohl erste praxisreife Elektrofahrzeug der Welt gezeigt hat.
Schön ist, dass der Zoé von Renault zwar den gleichen Antrieb hat, aber sichtbar futuristisch und so günstig wie ein Benzinauto daher rollen wird. Für alle, die ab und an in einem Schuss noch etwas weiter fahren wollen gibt es ein Mobility-Abo umsonst dazu. Nur den Ökostrom tanken muss man/frau noch selbst. So wird doch das bisher eher exklusive Elektroautofahren für alle alltagstauglich und neben die Schweiz kann neben dem Rekord von über 100 Tesla Roadstern auch den Alltagselektroauto-Rekord anpeilen.
Pierre Strub, 30.01.12
Mobilität und Freizeit im Alter:
Spitex jetzt auch für Ferien im Hotel
Die Bedürfnisse der heutigen und zukünftigen Spitexempfänger und die möglichen Leistungen von Hoteliers und Reiseveranstaltern sind besonderen Anforderungen unterworfen. Besonders ältere Menschen, die eigentlich gesund und mobil sind, aber bei ihrem Hotelaufenthalt punktuelle pflegerische Unterstützung brauchen, treffen heute auf ein ungenügendes Angebot in der Hotellerie. Dadurch entstehen unnötige Hürden beim Ferienmachen im Hotel für mobile ältere Menschen und den Hoteliers entgehen Kunden.
Das Projekt Claire&George link schliesst hier eine Lücke, indem die Dienstleistung Hotelspitex als Ergänzung zu Ferien- und Städteaufenthalten erbracht wird. Hiermit werden Ferienaufenthalte im Hotel als erweiterte Wohnform im Alter so lange wie möglich realisierbar.
In Anbetracht der wachsenden Zahl von 263000 Spitexempfangenden (2010 BFS) wovon über 200000 älter sind als 65 besteht hier ein attraktives Kundensegment. Über 1160 Spitexorganisationen haben dabei mit gut 36000 Mitarbeitenden Dienstleistungen erbracht und dabei einen Umsatz von CHF 1.59 Mrd. erzielt.
Im Jahr 2011 haben die Trägerschaft von Claire&George (Berner Fachhochschule, Strafin Innovationen AG, Life Science Communication AG, hotelleriesuisse) mit finanzieller Unterstützung der AGE Stiftung bereits Fakten in den Bereichen Nachfrage, Angebot und Kooperationspartner erarbeitet und geschaffen:
- Die Nachfragestudien bei den kritischen Akteuren (Hoteliers und Spitexempfängern) wurden durchgeführt und sind positiv ausgefallen.
- Es wurden umfassende Daten erhoben, die für die weitere Produkt- und Dienstleistungsentwicklung genutzt werden.
- Es gibt eine positive Response im Bereich Öffentlichkeitsarbeit.
- Regionale Spitexorganisationen konnten als Partner gewonnen werden.
Damit sind heute erste wesentliche Voraussetzungen vorhanden, welche die Durchführung eines Pilotprojekts ermöglichen. Dieses folgt 2012 im Kanton Bern mit 20 Testpersonen und 6 Test Hotels.
Darauf aufbauend soll eine nationale Hotelspitex geschaffen werden, die als Dienstleistung gleichwertige Spitexleistungen wie zu Hause anbietet und die bereits vorhandene gute, meist barrierefreie Hotelinfrastruktur mit individuellen Dienstleistungen ergänzt., 30.01.12
Plusenergiehaus und Elektroauto:
So wird ein Haus im Smart Grid zum Kraftwerk
Eigentlich haben die Fahrzeughersteller mit der Entwicklung der Elektroautos schon genug zu tun. Doch weil der Elektroantrieb an allen Ecken neue Lösungen ermöglicht und erfordert, wollen Ingenieure, Energieversorger und Architekten jetzt das intelligente Haus. Das Ziel: Haus und Auto effizient mit 100% erneuerbarer Energie betreiben bei minimaler Belastung des Stromnetzes.
In manchen Visionen von Fahrzeugherstellern, Energieversorgern und Architekten wachsen Auto und Haus immer enger zusammen. "Smart Grid", intelligentes (Strom)- Netz, lautet das Schlagwort, das Ingenieure in Zeiten des Elektroautos umtreibt. Die Schlüsselkomponente dabei sind die Akkus der Fahrzeuge, die nicht nur Energiespeicher für sauberes Autofahren sind sondern auch Puffer im Stromnetz sein könnten.
Mit ihnen liessen sich Schwankungen im Stromnetz ausgleichen, die vor allem bei der Stromproduktion mit Solar- und Windenergie entstehen. Immer mehr Windturbinen müssen nachts ausgeschaltet werden, weil der Strom nicht benötigt wird.
Wie drängend das Problem ist hat auch der japanische Autohersteller Nissan erkannt. Als das Stromnetz durch die Atom-Katastrophe in Fokushima zusammenbrach, meldeten sich die ersten Kunden bei Hiroki Nagayama. Wie der der Nissan-Manager einem Bericht des Spiegels sagt: "Die Leute wollten wissen, ob sie mit dem Strom aus dem Leaf den Kühlschrank betreiben oder mit den Solarzellen auf dem Dach ihren Akku laden können." Die Idee sei durchaus plausibel, so Nagayama. "Eine Batterieladung unseres Elektroautos reicht dem durchschnittlichen japanischen Haushalt für 48 Stunden."
Nissan will 2012 ein sogenanntes Power Control System anbieten, das den Energieaustausch zwischen Haus und Auto organisiert. Dann soll der Akku des Stromes bei Bedarf auch die Elektrogeräte im Gebäude versorgen.
Es gibt zahlreiche Smart-Grid-Pilotprojekte, und die Namen der Produkte, die darin eingesetzt werden sind Programm wie z.B.:
- Toyota betreibt seit Frühling 2011 in Kooperation mit Japan Wind Development, Panasonic Electric Works und Hitachi ein Demonstrationsprojekt für ein intelligentes Stromnetz und um sein Produkt Toyota Smart Center System (TSC) zur Steuerung intelligenter Häuser zu testen.
- Am 7. Dezember 2011 hat Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel das "Effizienzhaus Plus" in Berlin eröffnet. Das Modellhaus des Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung produziert doppelt so viel Energie, wie es verbraucht. Der überschüssige Strom soll direkt vor Ort Elektrofahrzeuge speisen. Für den einjährigen Alltagstest durch eine vierköpfige Familie stellen Audi, BMW, Daimler, Opel und VW für jeweils drei Monate Elektrofahrzeuge zur Verfügung.
Gemeinsamkeit aller Smart Home Systems ist die Vernetzung von Elektroauto oder Plug-in-Hybrid mit dem Haus, Photovoltaikanlagen und/oder Gas-Blockheizkraftwerke für die Stromproduktion. Mit einem einzigen Auto ist dabei nicht viel gewonnen, aber wenn in 5 Jahren tausende von Elektrofahrzeugen auf der Strasse sind, werden sie zu einem wichtigen Bestandteil für die Energieversorgung. Und darin liegt das wirkliche Potenzial: Experten erwarten einen 100 Mal höheren Bedarf an Speicher in den nächsten 10 Jahren. Gleichzeitig stehen unsere Autos im Durchschnitt pro Tag über 23 Stunden still. Elektroautos sind dann mit ihren Batterien die idealen Energiespeicher und können im Netz als sogenannte Schwarmkraftwerke oder Virtual Power Plants fungieren.
Zur Zeit geht es in den Pilotprojekten allerdings noch darum, ein intelligentes Energiemanagement-System zu konstruieren, dass die vielen Schnittstellen organisiert. In unseren Stromnetzen wird es jedoch kaum darum gehen, Häuser und Immobilien energieautark zu betreiben. Mit dem richtigen Programm wird es aber möglich sein, auch Strom ins Netz zu speisen und zu verkaufen und zwar dann wenn es am lukrativsten ist und so, dass die Netze nicht überlastet werden.
Pierre Strub, 10. Dezember 2011
weitere Informationen auch bei der Interessengemeinschaft Vehicle To Grid link und Referat an der Schweizer Hausbau- und Energie-Messe 2011 in Bern link, 07.01.12
Grüne Architektur:
mit Holz, Geppetto und Pinocchio
Architekten die wirklich nachhaltig bauen setzen ihr Augenmerk nicht auf bestehende Konzepte und setzen dann Technologie ein, um ihre Konstruktion nachträglich auf technischem Weg oder mit den "richtigen" Baustoffen zu verbessern. Im Gegenteil: Sie finden ein Konzept, das die technischen Möglichkeiten und vorhandene innovative Bauprodukte im Vornherein berücksichtigt und stellen der oft proklamierten Askese einen sinnlich-ästhetischen Wurf gegenüber.
Leider wird diese Bemühung von vielen gut gemeinten aber bürokratischen Normen schlecht belohnt. Was nützt es dem Klima oder unserer Natur, wenn ein Haus, das nur von einer Person bewohnt wird den Minergie-Standard hat, selbst wenn diese Person im Winter den ganzen Tag das Fenster geöffnet lässt? Oder wenn Bürogebäude nachträglich mit Solarzellen ausgerüstet werden müssen, damit eine einigermassen vernünftige Energieeffizenz erreicht wird. Es wird ein Nachhaltigkeitsstil kreiert, der auf technischen Massnahmen und in der Summe noch mehr Ressourcenverbrauch basiert anstatt den Energie- und Naturverbrauch zu senken - und zwar pro Person oder per wirtschaftlichem Gewinn. Dass diese Gebäude dann auch noch teurer werden als konventionell gebaute ist naheliegend.
Es ist deshalb doppelt erfreulich, dass führende Architekten hier andere Wege beschreiten. Wo Norman Foster neue Technologien gezielt mit provokativen Formen für sichtbare Innovation und Ausstrahlung kombiniert legen Kaden und Klingbeil ihr Augenmerk auf innere Innovation von bewährten Wohnformen und setzen gezielt Holz ein, wo es mehr Komfort und Nachhaltigkeit erzielt.
Oder wie sie selbst es formulieren:" Trotz Meister Kirsche sprach das Holz nicht. Erst der Spielzeugmacher Geppetto schaffte die höchst lebendige Marionette Pinocchio!" link
Pierre Strub, 2010, 07.01.12
Cleantech als Zukunftschance für die Schweizer Wirtschaft
Strategiepapier veröffentlicht
Nick Beglinger und Betrand Piccard lassen sich im Vorwort zitieren.
"Wenn wir wollen, dass die Schweiz auch in Zukunft wettbewerbsfähig und lebenswert bleibt, müssen wir die heutigen Herausforderungen als Chance erkennen. Unser Land soll voraus gehen, die bevor- stehenden Entscheidungen im Sinne der Nachhaltigkeit treffen und sich international als Cleantech Spitzenreiter positionieren. Die Chancen stehen gut. Wir profitieren von einer guten Ausgangslage in den Bereichen Infrastruktur, Systemwissen, Wettbewerbsfähigkeit, der Marke Schweiz – und vielem mehr. Aber Chancen verwirklichen sich nicht von selbst, sie müssen aktiv genutzt werden." link
Pierre Strub 2010, 19.12.11
Nachhaltige Investments besser als vergleichbare konventionelle
Laut Burkhard P. Varnholt, Chief Investment Officer von Sarasin, erzielen die nachhaltigen Anlagen eine deutlich bessere Performance als vergleichbare konventionelle Investments.
So sagt er im Interview: "Wir sind der Meinung, dass eine reine finanzmathematische Analyse zu kurz greift. Verantwortungsbewusste Anleger investieren ganzheitlich. Damit meine ich nicht die ethisch-moralische Komponente. Vielmehr erreichen wir mit diesen Investitionen die besseren Resultate. Wir nennen das die dreifache Profitabilität des Unternehmens." link
Pierre Strub 2010, 19.12.11
Nachhaltig macht schön
Vorbei sind die Zeiten, in denen Umweltbewusstsein Askese bedeutete. Öko ist schick geworden, und das macht sich auch auf dem Markt bemerkbar. Der reagiert erkennbar auf den Image- und Wertewechsel, das Angebot, auch nachhaltig Unterhaltung zu geniessen, zu reisen und verwöhnen zu lassen wird immer grösser und das Bewusstsein für das Erscheinungsbild von Marken, Städten und Anbietern auch immer wichtiger.
Gerne möchte ich mich deshalb dieses Mal nicht weiter in Buchstaben auslassen und Sie nur einladen eine kleine Auswahl von ästhetischen und nachhaltigen Produkten zu geniessen und sich wie ich an deren Schönheit und Wirkung erfreuen:
1. Null-Energie-Bilanz-Hotel der Welt in Wien mehr
VIEL VERGNÜGEN UND SCHÖNE FESTTAGE
Pierre Strub
(Erneuerbare Energien 6/2009, www.ee-news.ch), 19.12.11
Metropole Schweiz oder Presslufthammer
Erinnern Sie sich noch an Jörg Müllers „Alle Jahre wieder saust der Presslufthammer nieder oder Die Veränderung der Landschaft“?
Das Manifest aus dem Jahr 1973 hat mich als Jugendlicher zutiefst beeindruckt. Es ist heute leider aktueller denn je – das „Modell Spreitenbach“ hat sich vervielfacht anstatt ein Einzelfall zu bleiben und wird immer noch als Ei des Kolumbus gepriesen, wie das Berner Westside als jüngstes Beispiel zeigt. Der bunte Flickenteppich der genutzten Landschaft wird dadurch leider nicht vielfältiger und wertvoller.Mir scheint, dass in der heutigen Raumplanung weder der moderne Nomade mit seinem starken Mobilitätsdrang (siehe Verkehrsstatistik) noch die Lebensmodelle mit mehreren Lebens-, Arbeits- und Freizeitorten sowie neuen Familien- und Sozialstrukturen genug berücksichtigt werden.
Es müssen ja nicht gleich verrückte Produkte wie das japanische Micro-Compact Home mit einer Seitenlänge von 2.65 m gefördert werden. Oder die von Ellingson und Despommier entworfenen gigantischen, Boden sparenden Pyramiden-Farmen zur Lebensmittelproduktion, die statt Land in der Fläche zu nutzen einfach in die Höhe gehen.
Aber es braucht eine Richtungsänderung damit in der Schweiz die Landressourcen effizienter und effektiver genutzt werden und nicht noch mehr Raum verbraucht wird. Dazu braucht es einfache und klare marktwirtschaftliche Instrumente: Zum Beispiel eine Beschränkung der Schweizer Landnutzung auf einen bestimmten m2-Betrag und dann Konzessionen für die Nutzung der Natur (nach dem Vorbild der Wasserkraftnutzung). Ob dann nach der Konzessionierung eine Neuverhandlung über die Nutzung geführt oder eine Renaturierung erfolgen soll, könnte ja in der Schweiz einfach über die direkt demokratischen Wege entschieden werden.
Ich bin überzeugt, dass damit wertvolle regionale und nationale Perspektiven und Verträge entstehen könnten. Akteure würden kooperieren und sich Nutzungen effizient teilen können, bestimmen, an welchem Standort was/warum zum gemeinsamen Nutzen gebaut werden soll. Damit wären verwaiste Gewerbezonen rasch wieder umgenutzt, nicht mehr 2/3 aller Ferienwohnungen mindestens 44 Wochen im Jahr leer, neue bessere Verkehrswege geschaffen und es würden auch mal Strassen abgerissen, wenn sie ausgedient hätten. Und vielleicht ist dann auch der Weg für eine Schweiz geebnet, die wieder deutlichere Grenzen zeigt zwischen urbanem und nicht urbanem Raum und deren Lebensqualität wieder darin besteht, nicht möglichst überall alles zu haben, was der Mensch nutzen könnte.
Pierre Strub
(Erneuerbare Energien 5/2009, www.ee-news.ch), 19.12.11
Kunst und Forschung:
Wege aus der Krise
"Ich als Künstler kriege keinen Kredit bei einer Bank, aber die Banken, Unternehmen, die schon soviel Geld verspielt haben, kriegen jetzt noch mehr. Das ist unmoralisch" sagte jüngst der alternde Industrie-Designer Colani (90er Jahre Computermaus, Valserwasser-Flasche mit "Handgriff"!) in einer Talk-Show und erntete brandenden Applaus. Dass der anwesende Politiker mit seiner Aussage "wir müssen hier differenziert an die Sache heran gehen und dürfen nicht so oberflächlich urteilen" kaum Applaus bekam ist kein Wunder.
Umso mehr als die spontane Reaktion des Publikums nicht nur von Sympathie für die Polemik sondern auch von mehr als oberflächlicher Kompetenz zeugt. Im kreativen Schaffen für die Kunst, das Design, das Neue entsteht oft – im Gegensatz zur Optimierung veralteter Produkte und Geschäftsmodelle – mehr Wertschöpfung. Das zeigen auch Untersuchungen über die Forschungsaktivitäten von Unternehmen und der damit verbundenen Erfolge.
Gerade in schwierigen Zeiten laufen so unplanbare Dinge wie kreatives Ausprobieren und Innovation auf Hochtouren und der Erfolg bleibt scheinbar nicht aus. Immerhin sind Blockbuster wie der iPod und iTunes in der Zeit nach der Dotcomblase entstanden. In einer Zeit wo Apple seine Ausgaben für Forschung & Entwicklung um 42% steigerte obwohl der Umsatz zurückging. Die Untersuchungen von Wall Street Journal, Boston Consulting Group und des Batelle Memorial Institute zeigen aber noch mehr: 28 der grössten US-Unternehmen haben angegeben, dass drastische Kürzungen gerade in Krisenzeiten tödlich sind. Sparen kann man wieder in guten Zeiten.
Zurzeit macht Europa leider den Fehler F&E zurückzufahren (-1% im 2008) während Nordamerika um 4% aufstockte, China und Indien gar um 7%. Das antizyklische Verhalten vieler europäischer Firmen scheint in diesem Fall töricht. Staat und Politik tun gut daran, in diesem Kontext ihre Geldvergabepolitik zu überdenken und die Firmen zu unterstützen, welche „künstlerisch“ tätigen, kreativen Forschern Raum geben, gerade jetzt.
Pierre Strub
(Erneuerbare Energien 3/2009), 19.12.11
Ökobilanzen:
In den Regalen angekommen
Ende der 80er Jahre begannen die Forscher des Instituts für Energietechnik an der ETH Prozesse und Produkte im Detail auf ihre materiellen und energetischen Aspekte zu analysieren.
Das Ziel war Effizienz ohne Verzicht oder wie es Ernst Ulrich von Weizsäcker 1995 formulierte: Faktor 4 – Doppelter Wohlstand, halbierter Naturverbrauch. Es war der Anfang der Versöhnung von Industrieproduktion und Ökologie: Effizienzgewinne wurden nicht mehr mit Verzicht sondern mit Optimierung von Prozessen und ökonomischen Gewinnen assoziiert.
Und was für eine Erfolgsgeschichte im Markt: Allein durch die Definition was denn nun material- und energieintensiver wäre und was weniger wurde Effizienz zum Markenzeichen von Produkten. Bio-Suisse, Oekoplan, Engagement, Energieetikette, Minergie und viele andere sprechen von der stillen Revolution der Ökobilanzen. Nicht, dass diese Labels alles können. Sie betrachten oft nur einen Teil der Wertschöpfungskette oder einen Teil des Aspekts Nachhaltigkeit. Aber sie kommunizieren in einem liberalen System verschiedene Werte und Werthaltungen und der Kunde hat die Wahl, das bessere zu kaufen.
Wie aber der ökologische Fussabdruck zeigt können wichtige Ziele damit nicht erreicht werden: Die weltweit verfügbare Fläche zur Erfüllung der menschlichen Bedürfnisse wird nach Daten des Global Footprint Network und der European Environment Agency heute insgesamt um 23 % überschritten. Das ist es was Labels alle zumindest kurzfristig nicht können: Suffizienz umsetzen und den absoluten Ressourcenverbrauch reduzieren. Das würde ja auch fundamental dem Wettbewerb widersprechen, Marktanteile gewinnt nun mal nicht, wer weniger verkauft.
Die Grenzen der absoluten Nutzung von Ressourcen sind deshalb so aktuell wie eh und je. Die Lösung des Problems beginnt meines Erachtens mit der alten Frage nach Suffizienz, oder wie war es möglich mit „veralteter“ Technologie in den 70er Jahren einen so hohen Lebensstandard zu besitzen und dabei 40% weniger Energie als heute zu verbrauchen?
Pierre Strub
(Erneuerbare Energien 2/2009), 19.12.11
Wohlstand:
Into a warming world
Im ganzen Finanzkrach geht im neuen Jahr so einiges unter. Wie auch die löbliche Vision des World Watch Institute in seiner jüngsten Ausgabe des "State of the world 2009".
"It is New Years Day, 2101. Somehow, humanity survived the worst of global warming—the higher temperatures and sea levels and the more intense droughts and storms—and succeeded in stabilizing the Earths climate. Greenhouse gas concentrations are peaking and are expected to drift downward in the 22nd century. The rise in global temperatures is slowing and the natural world is gradually healing. The social contract largely held. And humanity as a whole is better fed, healthier, and more prosperous today than it was a century ago."
Sorgen macht mir in diesem Zusammenhang vor allem der Teil "the social contract largely held". In den letzten Jahren hat z.B. in den USA eine Umverteilung in unbeschreiblichem Ausmass statt gefunden: Seit 1979 hat sich das oberste Prozent der amerikanischen Bevölkerung um 600 Milliarden Dollar verbessert, die unteren 80% haben sich um 600 Milliarden Dollar verschlechtert.
Solche und andere soziale Aspekte gehen heute weitgehend an der ganzen Nachhaltigkeitsdiskussion vorbei. Es wird viel zu oft von ökologisch orientierten und standardisierten Strategien gesprochen anstatt innovationsfördernde und für Normalverdiener hilfreiche Rahmenbedingungen zu schaffen, die auch den Wohlstand auf allen Ebenen sichern helfen: Alle, die weniger Risiko eingehen, Schäden vermindern oder vermeiden und damit gesellschaftlich und ökologisch etwas erreichen sollten belohnt und unterstützt werden.
Zum Glück gibt es Leute, die sich trotzdem selbst zu helfen wissen: So geschehen in einem kleinen deutschen Dorf in Hessen, wo ein mir gut bekannter Häuslebauer sich getreu dem Motto von Obama gesagt hat "Yes I Can" und sich von Sorgen um Gazprom und hohe Ölpreise radikal befreit hat. Trotz beträchtlicher Verschuldung und bescheidenem Einkommen des Hausbesitzers sowie grassierender Finanzkrise hat die lokale Sparkasse (der es als Bank immer noch gut geht!) einen Kredit von 13 000 Euro gesprochen, der für beide Seiten hochrentabel ist. Damit wurde das Haus mit Einliegerwohnung 2008 rechtzeitig auf den Winter auf Holz- und Sonnenwärme umgestellt. Die eingesparten 2500 Euro pro Jahr erhält nun die Bank, bis der Kredit abbezahlt ist. Die derzeitigen Wärmekosten belaufen sich gerade noch auf ca. 100 Euro pro Jahr, weil das benötigte Holz aus dem gemeindeigenen Wald stammt und mit eigener Arbeitskraft geschlagen wird.
Warren Buffet hätte an solchen Renditen seine wahre Freude. Sein Motto nur darin zu investieren, was man auch versteht, kennt auch der Angestellte der Sparkasse. Er hat damit für seine Firma nicht nur ein erfolgreiches Investment getätigt und aktive Nachhaltigkeit betrieben sondern auch den Wohlstand erhöht.
Pierre Strub
(Erneuerbare Energien 1/2009), 19.12.11
LED:
Der neue Star am Nachthimmel
9000 LED-Lichter von Osram verwandeln eine Windturbine in den weltweit grössten rotierenden Weihnachtsstern und hypnotisieren die Stadt München. Das sparsame Licht verbraucht gerade einmal die Energie eines kommunen Haartrockners. Der rotierende LED-Superstar wurde von Siemens gebaut.
In den letzten 12 Monaten setzte der Multimedia Künstler Michael Pendry den Weihnachtsstern in Szene. Pendry überzeugte Siemens und die Stadtwerke München dieses Kunststück auf die 30-Meter-Blätter der Windturbine zu bringen. Die Stadt München lässt den rotierenden Weihnachtsstern noch bis am 6. Januar laufen. mehr
Pierre Strub 12/2008, 19.12.11
Zurück in die energieeffiziente Stadt:
Und gratis Bauland dazu
Es ist ein Trauerspiel: Trotz der hohen Energiepreise werden in der Schweiz nur gerade 11 Prozent der neuen Wohnbauten nach Energie sparenden Standards erstellt. Derweil läuft in Österreich ein regelrechter Wettstreit der Regionen um die Realisierung möglichst vieler Häuser im Passivhausstandard. Und die EU-Kommission möchte sogar per Dekret ab 2011 nur noch solche Neubauten zulassen.
Schuld an der langsamen Marktentwicklung in der Schweiz seien die Architekten, die Banken und die Bauherren, hört man aus den Fachkreisen der Labelpromoter von Minergie. Vielleicht ist es aber eher die mangelnde Marktfähigkeit der Promotion oder des Labels, welche die Akteure nicht anspricht. Energieeffizienz ist bekanntermassen ein Kontextthema, das nicht von sich aus motiviert, sondern erst im Zusammenspiel mit anderen befriedigten Bedürfnissen erlebbar wird.
Berlin und München haben sich im Frühling 2008 in einem gesamtstädtischen Kontext den Anforderungen einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung gestellt und den Blick mit Hilfe eines Wettbewerbs Richtung Himmel gerichtet: „Zurück in die Stadt – Urbane Dachverdichtung“.
Bereits in früheren Jahren realisierte Projekte zeigen das nicht mit Standards bewertbare Potenzial und den vielschichtigen Mehrnutzen von Verdichtungen auf: In Wien steht eine Loft auf einem Jugendstilgebäude – natürlich im Passivhausstandard, in Berlin wurden 17 Maisonette-Wohnungen mit Studios und Garten auf dem Dach eines Strassenblocks der 20er Jahre gebaut. Diese bieten damit mitten in der Stadt Einfamilienhaus-Atmosphäre wie in einem Vorort – Klimaschutz und weniger Emissionen inklusive, ganz zu schweigen vom eingesparten Verkehr.
All dies wird dann möglich, wenn die Bewilligungsbehörden und Planer es schaffen, neue Interpretationen der Richtlinien in den Bauvorschriften zu erarbeiten. Partnerschaften von Architekten und Bauherren und innovative Baustoffhersteller helfen dabei, richtungsweisende und wirtschaftlich hoch rentable Lösungen zu verwirklichen. Damit werden attraktive Wohnungen geschaffen, entsprechende Steuerzahler angezogen, wertvolle Bausubstanz und kulturelle Güter erhalten und die Stadt modernisiert.
Pierre Strub
(Erneuerbare Energien 6/2008), 19.12.11
Soziale Akzeptanz:
Die neuen Erneuerbaren verlieren ihre Unschuld
Die jüngste Entwicklung in Texas liest sich wie eine Goldgräbergeschichte. Anfang dieses Jahres hat sich der texanische Öl-Milliardär Boone Pickens mit folgenden Worten zitieren lassen: “I have the same feelings about wind as I had about the best oil field I ever found”. Er plant zur Zeit eine 10 Milliarden Dollar Windfarm. Die Aussicht auf Arbeitsplätze, Ansiedlungen neuer Industrien und Produktionsstandorte, energetische Unabhängigkeit vom Ausland und neue Geschäfte durch den Export erneuerbaren Stroms lassen beinahe jegliche Kritik verstummen.
Die riesigen Projekte finden aber nicht nur Freunde. Der offhore-Windfarm London Array beispielsweise stellen sich andere Wirtschaftszweige entgegen: Fischereiorganisationen sorgen sich um die Fangquoten ihrer Mitglieder und Schifffahrtsunternehmen befürchten bereits ihre Routen ändern zu müssen. Der ursprüngliche Hauptinvestor Shell ist unter anderem deswegen bereits ausgestiegen. E.On hat aber die Risiken der Weiterentwicklung doch geringer eingeschätzt und deren Anteil übernommen.
Entscheidend für die breite Erhaltung der Akzeptanz gegenüber den erneuerbaren Energien ist sicherlich, Befürchtungen aller Stakeholder frühzeitig Ernst zu nehmen, bei Bedarf (wie bei den Windparks in London Array oder beim ersten offshore Park Deutschlands in Borkum) breit angelegte Forschungsprogramme einzurichten, die Vor- und Nachteile systematisch erfassen und bearbeiten können. Neben planerischen Massnahmen können dann in der Ausführung auch finanzielle Gewinne der Akteure besser bestimmt oder auch allfällige Ausgleichszahlungen festgelegt werden.
Dass Geld allein es nicht immer richten kann zeigen erste Erfahrungen mit von Investoren „überfahrenen“ Landbesitzern in der Schweiz, die mit finanziellen Anreizen zur Vertragsunterzeichnung gebracht werden sollten. Diese lehnen heute die Ansiedlung eines Projekts ab. Die bereits vorhandene positive Grundmotivation wurde mit dem ungeschickten und good governance gänzlich vermissenden Verhalten zerstört. Wirtschaftsforscher nennen dieses Phänomen Crowding-out. Dabei wird eine positive Grundmotivation nachhaltig zerstört. Da der Effekt irreversibel ist, gibt es keine zweite Chance.
Pierre Strub
(Erneuerbare Energien 5/2008), 19.12.11
Plug-In Hybrid
Elektro und Benzin kommen sich näher
1988 hatte ich ohne zu zögern das Ausbildungsziel Automobilingenieur gegen den Umweltnaturwissenschafter getauscht. Nach ersten Erfahrungen als Automechaniker glaubte ich nicht daran, dass die Kunden innert meines Geduldshorizonts tatsächlich Ökoautos kaufen würden. Ich hatte recht und bin heute froh auch die zwischenzeitlichen Euphorien aus der Distanz als Berater für nachhaltige Investments erlebt zu haben.
Die Konzepte der 80er und 90er Jahre waren nicht marktreif und glücklicherweise waren sie bis jetzt auch nicht erfolgreich: Der Brennstoffzellenantrieb hat eine miserable Ökobilanz und erfordert zu grosse Umstellungen der Infrastruktur, Elektrofahrzeuge waren bisher nur für Idealisten alltagstauglich und selbst die nutzlose Start-Stop-Automatik, die von Mercedes heute wieder als Umweltverbesserung vermarktet wird, hat die Kunden nicht überzeugt. Da funktionierte „reduce to the max“ beim Smart schon besser, dies vor allem dank Lifestyle-Element und Kürze beim Parken.
Wirklich versöhnlich ist es heute zu sehen, dass nicht die revolutionäre Technologie den Erfolg einfährt, sondern die richtige Kombination aus den bisherigen Erfahrungen ohne den lästigen Streit um Philosophien: Gewichtsreduktionen wie bei den neusten Modellen von VW und Mazda und Ausschöpfen der Vorteile Elektro- und Benzinantrieb wie bei Volvo, Toyota, GM oder auch dem Schweizer Startup Mindset (siehe Bild).
Für jeden individuellen Mobilisten wird der sogenannte Plug-In Hybrid mit herausragenden Leistungen glänzen. Eine grosse Batterie für eine Reichweite bis zu 100km kombiniert mit einem Benzinmotor produziert Gewinne en masse: Die Kunden erhalten sportliche Fahrwerte, verbrauchen mindestens 50% weniger Benzin, fahren emissionsfrei und leise in besonders belastete Zonen wie Städte und tanken nachts billigen Strom von Windturbinen oder Flusskraftwerken. Bei höheren Geschwindigkeiten und längeren Strecken hilft der Benzinmotor aus, die Flexibilität im Nutzen bleibt vollständig erhalten.
Ein weiterer Clou: Wenn das Auto steht kann die Batterie auch vom Energieversorger als schnell verfügbarer Speicher benutzt werden – und davon braucht die Energiewirtschaft nicht zuletzt wegen der unregelmässigen Lieferung der Erneuerbaren in Zukunft deutlich mehr. Eine Studie des Bundesamtes für Energie zeigt, dass schon eine Zahl von ca. 80 000 solcher Fahrzeuge (ca. 3% aller Autos in der Schweiz) die zusätzlich benötigte Menge an Regelenergie zur Verfügung stellen könnte! Die Energieversorger ihrerseits sparen sich teure Investitionen in neue Speicherkraftwerke und den Streit mit NGOs wegen Umweltverträglichkeiten und der Verschandelung der Landschaft.
Alle, die jetzt befürchten, dass damit neue AKWs notwendig werden sollten wissen, dass der Mehrverbrauch für diese Zahl von Autos nur 0.2% Strom gegenüber heute beträgt, was in den statistischen Schwankungen untergeht oder ohne weiteres mit Erneuerbaren gedeckt werden kann.
Pierre Strub
(Erneuerbare Energien 4/2008), 19.12.11
Stararchitekten
Sie setzen Zeichen für Jahrzehnte
Die Schizophrenie könnte grösser nicht sein: Länder wie die USA oder des mittleren Ostens haben ökologisch ein schlechtes Image, weil sie fossile Ressourcen verschwenden und sich darüber hinaus ihren Lebensstil nicht einschränken wollen. Gleichzeitig bauen sie aber mit dem Geld, das wir für Öl und Gas ausgeben oder über die Aktienmärkte in ihre Firmen investieren ihre eigene nachhaltige Zukunft.
Der italienisch-israelische Architekt David Fisher hat es gewagt etwas extravagantes auch noch nachhaltig zu machen. Sein etwas verrücktes Konzept heisst Dynamic Architecture (siehe Bild) und er kriegt die Gelegenheit es zu verwirklichen: Kurz bevor Dubai mit dem Bau des ersten rotierenden Wolkenkratzers mit 60 Stockwerken beginnt setzt Chicago nach: Ein weiteres 400 Millionen Franken Projekt, das der Skyline ein neuartiges Element hinzufügt.
Die Gebäude setzen wahrhaftig Zeichen für eine neue Zeit. Sie sind energetische Selbstversorger - mehr noch - die Wolkenkratzer erhalten zwischen den Stockwerken horizontal drehbare Windturbinen verbaut, die nicht nur Strom für das ganze Gebäude sondern noch einige weitere in der Umgebung erzeugen sollen. Ausserdem können die Stockwerke der Sonneinstrahlung und Jahreszeiten entsprechend ideal ausgerichtet werden und zu guter letzt soll die Konstruktion gegenüber herkömmlichen Wolkenkratzern auch noch 20-30% an Kosten einsparen.
Und was machen die Schweizer Stararchitekten? Sie bauen zwar in aller Welt markante Zeitzeichen, die über eine herausragendes architektonisches Design verfügen, aber energieautarke und integriert geplante Bauten sind Mangelware. Selbst in der ökologisch so selbstbewussten Schweiz werden getönte Glastürme oder Platzüberdachungen weiterhin so gebaut, dass sie nicht einmal mit frei im Markt erhältlichen und erprobten Produkten wie lichtdurchlässigen Solarzellen ausgestattet sind. Es ist zu hoffen, dass auch bei uns bald Projekte zu sehen sind, mit denen Bauherren und Architekten endlich nachhaltige Zeichen setzen für ein Zeit, wo Gebäude nicht mehr nur Energie verbrauchen können...
Pierre Strub
(Erneuerbare Energien 3/2008), 19.12.11
LOHAS, SUV und Glühbirnen
Selbsternannte Klima-Politiker und getarnte Sozial-Moralisten führen eine Diskussion, die in eine völlig falsche Richtung führt. Die Verbote von SUVs (sport utility vehicles) und Glühbirnen sind pädagogisch unwirksam und halten die Menschen davon ab, ihren Lebensstil nachhaltig zu ändern.
Jedes Kind versteht, dass ein Kleinwagenfahrer, der 50’000km/Jahr fährt mehr CO2, Abgase und Lärm produziert als der SUV oder Limousinenbesitzer, der ein paar Mal die Woche in die Stadt fährt. Auch Glühbirnen sind weder klima- noch umweltschädlich solange sie mit Strom aus Wasserkraft gespiesen werden und nicht unnütz brennen.
Dass SUVs auch Symbole der Macht, zum Angeben da sind und die Begegnungen damit als Fahrradfahrer und Fussgänger unangenehm sein können steht auf einem anderen Blatt. Kein Mensch käme aber deswegen auf die Idee Lieferwagen in der Stadt zu verbieten, auch wenn diese die halbe Zeit leer herumfahren.
Ich halte es lieber wie die LOHAS: Die Angehörigen der neu definierten Kundengruppe „Lifestyle of Health and Sustainability“ beziehen Ökostrom, fahren prestigeträchtige (auch grosse) Hybrids oder Biogasautos, nutzen den ÖV und das Velo, sie fliegen gern in die Ferien und kompensieren dabei aber ihre CO2-Emissionen, sie haben schicke grosse und energiesparende Häuser, die was hergeben, sie sind stolz auf ihre Solaranlage auf dem Dach, kaufen Bio, machen Wellness und – wenn es gut kommt – sind sie auch sozial sensibilisiert.
Ich wünsche mir von Politikern und Beamten mehr Belohnungen für jene, die sich nachhaltig verhalten. Der Kampf gegen eine einzelne Gruppe grosser Autos erscheint mir da genauso veraltet und Fehl am Platz wie viele Technologien, welche heute noch im Einsatz sind. Durchschlagend wirksam ist nachhaltige Lebensfreude, sie kann viel bewirken und eigentlich wollen wir sie ja alle, oder nicht?
Pierre Strub
(Erneuerbare Energien 2/2008), 19.12.11
Das grüne Jahr 2008
2007 war das Jahr der Katastrophen-Ankündigungen. Sogar die Boulevard-Zeitungen schalteten Sonderbeilagen zu den Warnungen des Weltklimarates. 2008 sollen nun alle Strom sparen, erneuerbare Energien wählen und bessere Geräte einkaufen. Auch die IT-Branche hat die Umwelt entdeckt und das Marktforschungsunternehmen Gartner hat gleich für die gesamte Branche das Grüne Jahr 2008 ausgerufen.
Im gleichen Atemzug zeigen die neuen Grünen wie naiv sie vorgehen: Dell will zehntausende Bäume pflanzen, um das Kohlendioxid wieder zu binden, das der Stromverbrauch der Rechner freigesetzt hat. Zum Glück gibt es auch andere, die es etwas glaubwürdiger angehen. Google hat letztes Jahr auf den Dächern seiner Konzernzentrale mit 1.6 Megawatt eine der grössten Solaranlagen der USA installiert.
Dafür ist es allerdings auch höchste Zeit, wenn man bedenkt, dass allein in Deutschland jedes Jahr 4 Millionen Tonnen Treibhausgase durch die Nutzung des Internets erzeugt werden. Jede einzelne Suchanfrage bei Google verbraucht allein soviel Strom wie eine Energiesparlampe in einer ganzen Stunde.
Mehr ökologische Verantwortung ist daher zwingend. Diese lässt sich aber nicht über Nacht umsetzen, sonst verkommt sie leicht zum Greenwashing. Das Unternehmen braucht eine umfassende Analyse und die Entwicklung wirkungsvoller Massnahmen, deren Preis-Leistungsverhältnis in die Unternehmensstrategie und dessen Auftritt passen. Um Reputations- und Imageschäden zu vermeiden müssen bei Projekten auch die wichtigen Interessensgruppen einbezogen werden.
Google ist auf dem richtigen Weg zu einer guten Corporate Governance. Die Firma versteht es ausserdem ihre Absichten wirksam zu kommunizieren: Sie hat angekündigt über die nächsten Jahre mehrere 100 Millionen Dollar in erneuerbare Energien zu investieren. Eine nachhaltige Strategie für mehr Klimaschutz also, die auch tatsächlich wirkt, aber nicht nur da. Selbst die Investoren hatten ihre helle Freude und der Börsenkurs hat nach der Ankündigung gleich um einige Prozente zugelegt.
Pierre Strub
(Erneuerbare Energien 1/2008), 19.12.11
Nachhaltige Investments
Richtig viel Geld ist inzwischen im Spiel um den Klimaschutz: Al Gore holt sich 190 000 Euro ab für einen Auftritt in Berlin, die Aktionäre von OC Oerlikon freuen sich über das kräftige Wachstum im Dünnschichtsolarzellengeschäft und auch die grossen Energieversorger haben sich in den letzten Jahren eine goldene Nase verdient.
A propos Geldmarkt und Investments. Die Zahl der börsenkotierten Firmen im Segment erneuerbare Energien wächst exponentiell, die meisten Kurse ebenfalls und ein Ende des Booms ist nicht in Sicht. Auch da mischen Leute wie Al Gore mit der Firma Generation Investment Management kräftig mit und investieren in Unternehmen, die in zukunftsträchtigen Bereichen stark sind. Doch die besten Firmen zu finden ist gar nicht so einfach. Gerade weil der Markt boomt ist das Universum der Möglichkeiten stark gewachsen und nicht alle, die Erfolg versprechen, sind in der Lage zu gewinnen. Die Volatilität der Kurse und das Verlustrisiko verlangen gute Nerven und Durchhaltevermögen vom Anleger.
Zum Glück gibt es inzwischen bei den Banken auch rekordverdächtig viele Fonds und Zertifikate im Angebot, welche die Risiken streuen und trotzdem gute Gewinne versprechen. Allein im ersten Halbjahr 2007 hat sich beispielsweise die Zahl nachhaltiger Börsen-Zertifikate auf über 100 mehr als verdoppelt. Längst gehören auch rein renditeorientierte Investoren ohne ideellen Hintergrund zu den Kunden.
Trotzdem sind Nachhaltigkeit und Corporate Governance der Firmen kritische Faktoren, die gerade wegen aller positiven Effekte der erneuerbaren Energien nicht zu unterschätzen sind. Auch Vorbildfirmen wie Solarworld oder Vestas werden sich bald stärker mit ihren Nachhaltigkeitsleistungen beschäftigen müssen. Es wäre doch schade, wenn es zu ähnlichen Fällen wie jüngst BP kommt, die 265 Millionen Euro Strafe zahlte, um Justizverfahren wegen Umweltverschmutzung und Preisabsprachen in den USA abzuwenden. Aber dazu mehr im nächsten Beitrag.
Pierre Strub
(Erneuerbare Energien 6/2007), 19.12.11
Klimaneutrale Stadt in der Wüste
Bis 2009 soll sie gebaut sein, eine neue Stadt für fast 50 000 Menschen. Vollständig mit Energie aus erneuerbaren Quellen wird sie versorgt sein. Auch Abfall soll praktisch keiner mehr produziert werden, Trinkwasser wird nur noch für die Dinge gebraucht, wo es wirklich nötig ist. Und: Private Autos wird es nicht geben und alle wichtigen Einrichtungen sollen in weniger als 200 Meter Entfernung zu finden sein. Man geht primär zu Fuss.
Keine Illusion! Nein, die Stadt wurde vom Star-Architekten Norman Foster gestaltet, gebaut wird sie in der Nähe von Abu Dhabi und sie wurde auf den Namen Masdar getauft. Bereits heute haben Konzerne wie General Electric, BP, Shell, Mitsubishi, Fiat bekannt gegeben, dort Firmensitze zu gründen, auch Solarpioniere wie Conergy sind mit dabei und bauen ein Solaranlage mit 40 Megawatt Leistung. In der gleichen Stadt soll ausserdem das Masdar Institute of Science and Technology entstehen. Das Massachusetts Institute of Technology (MIT) wurde mit der Ausarbeitung von Lehrplänen für diese Universität beauftragt. Schwerpunkte der Ausbildung werden Energie- und Nachhaltigkeitstechnologien sein. www.masdaruae.com/text/news-d.aspx?_id=47
Bislang verdankt Abu Dhabi ja 98 Prozent seiner Einnahmen dem Erdöl. Die Leute wissen aber, dass die Ressource endlich ist und bauen deshalb die Zukunft, und zwar jetzt und nicht erst wenn jemand für sie die Entscheidung getroffen hat, wie wir in den kommenden Jahrzehnten zu leben haben. Oder wie sagt es Sultan Al Jaber, der Leiter des Masdar Unternehmens, ganz selbstverständlich: "Eines Tages werden alle Städte so gebaut sein wie diese". Dieser Vision schliessen wir uns gerne an, oder?
A propos, halten Sie nicht hinterm Berg mit ihren Kommentaren und Anregungen, schliesslich geht’s hier in dieser Kolumne darum, das Neue und die Effizienz zu verbinden und das beste aus den Zeilen rauszuholen. Ich freue mich von Ihnen zu hören.
Pierre Strub
(Erneuerbare Energien 5/2007), 19.12.11
Sichere Versorgung erfordert offenen Markt
Es ist eine Zumutung, wie vehement in der laufenden Diskussion um Versorgungssicherheit in der Schweiz die Angst geschürt wird und ausgerechnet viele Verfechter einer globalisierten freien Marktwirtschaft zwei so gar nicht damit kompatible Forderungen vertreten: erstens die planwirtschaftliche Sicherung der international vernetzten Versorgung mit inländischen Kapazitäten zu einem vorausgesagten Energiemix, wie er in zwanzig Jahren auszusehen hat. Zweitens den Bau von Energieproduktionsanlagen wie Kernkraftwerken, welche nach Gesetzen des freien Marktes überhaupt nicht existenzberechtigt sind, da sie schlicht nicht versicherbar sind: Der Staat und die Bevölkerung tragen das ganze (finanzielle, gesundheitliche, ökologische) Risiko eines möglichen Unfalls!
Deshalb sollen Politikerinnen, Politiker und verantwortungsvolle Wirtschaftsleute sich nicht auf diesen Deal einlassen. Sie sollten den Energieversorgungsunternehmen klare Vorgaben zur ökologischen Qualität machen. Sie sollten den Förderinstrumenten wie in anderen Ländern zum Durchbruch verhelfen, Nachfrage und Angebot spielen lassen und damit den innovativen Kräften im Markt freien Lauf lassen.
Natürlich sind höhere Strompreise europaweit aufgrund des knapper werdenden Angebots zu erwarten. Doch gerade diese werden viele Effizienzsteigerungen (noch) rentabler machen, und die riesigen nachgewiesenen Potenziale werden rascher umgesetzt. Die Wachstumskurve des Strombedarfs kann dann auch wieder gegen unten drehen, das stetige Wachstum ist kein Naturgesetz.
Den Bedarf mittelfristig mit Erneuerbaren zu decken, ist keine Illusion. Die Elektrizitätsversorgung mit erneuerbaren Energien hat - man verfolge die weltweite Marktentwicklung bei den neuen Erneuerbaren - in den letzten 10 Jahren teilweise selbst die kühnsten Erwartungen der Experten und Visionäre übertroffen (Photovoltaik, Windenergie), weil der Sektor für Investoren überdurchschnittliche Renditen erwirtschaftet. Eine Abschwächung in der Entwicklung ist durch weltweit gestiegene Akzeptanz wegen der Folgen der Klimaveränderung und höherer Ressourcenpreise nicht festzustellen. Es besteht durchaus die reale Chance, dass die Marktkräfte auch ohne Techniken, die fossile Ressourcen verbrauchen oder nicht tragbare Risiken aufweisen, eine mittelfristig gesunde Versorgung sichern.
1. Februar 2007, 02:05, NZZ Online, Pierre Strub, 19.12.11
aktuelle Beratungsprojekte
Mitwirkung in der Expertengruppe Mobilität und der Energiestrategie 2011
Pierre Strub ist im Beirat des Vereins. link
"Elektromobilität: Fiktion oder Realität?" am 5. Mai 2011: Programm hier link
Renditestarke und besonders nachhaltige Solarprojekte in Italien (Leistung 0.5-25MW).
In Kooperation mit RES link
Zur Zeit in Bau 1MW bei einem Biobauern in Goito für Energie Wasser Bern ewb. Pressemitteilung hier link oder Bericht bei ee-news link
Das Plusenergiehaus mit Elektroauto: So wird ein nachhaltiges Haus im Smart Grid zum Kraftwerk
Forschungsprojekt, das wir mit der Berner Fachhochschule link, mit MojaConsult link und Partnern aus der Solarindustrie und Energieversorgung aufbauen. Referat an der Schweizer Hausbau- und Energie-Messe 2011 in Bern link
VisAsim
Akustische und visuelle Simulation als Planungshilfe für die Standortevaluation von Windparks. Mitwirkung in der Projektgruppe für Machbarkeit und Businessmodell. link